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Lazio Fan erschossen - Riots in ganz Italy

quote:
Es war ein tragischer Fehler“

Nachdem der 28-jährige Lazio-Fan Gabriele Sandri durch die Kugel aus der Dienstwaffe eines Polizisten getötet worden ist, rollt eine Welle der Gewalt durch Rom. Am Sonntagabend rückten 400 Hooligans gegen eine Polizeikaserne vor.
Der Tod eines Fußball-Fans hat in Italien eine Welle der Gewalt ausgelöst. Der 28 Jahre alte Gabriele Sandri, Anhänger des Erstligisten Lazio Rom, wurde am Sonntag auf einer Autobahnraststätte in der Nähe von Arezzo durch die Kugel aus der Dienstwaffe eines Polizisten getötet. Daraufhin kam es in vielen großen Städten in ganz Italien zu Demonstrationen, die von teilweise schweren Ausschreitungen begleitet waren.


Eine Welle der Gewalt wurde aus der Hauptstadt Rom am Abend gemeldet. Nach ersten Medienberichten haben rund 400 Hooligans, die der Lazio-Szene zugeordnet werden, eine Polizeikaserne im Zentrum der Ewigen Stadt angegriffen. Die Angreifer waren mit Steinen, Flaschen und Knüppeln bewaffnet. Es wurden Polizeifahrzeuge in Brand gesetzt und zehn Ordnungshüter verletzt. Die Polizei wiederum ging mit Tränengas gegen die Rowdies vor, die Festnahmen eines vermummten Mannes und einer Frau wurden gemeldet. Mehrere Rettungswagen waren im Einsatz. Es soll großer Sachschaden entstanden sein.

Gleichzeitig entlud sich der Zorn der Menschen am Sitz des Nationalen Olympischen Komitees CONI, wo mehrere Fensterscheiben zu Bruch gingen, und am Olympiastadion. Dort drangen rund 200 Personen ein und richteten große Schäden an. Zudem gab es in anderen Städten unter anderem Fackelzüge zum Gedenken an Gabriele Sandri, bei denen es gewaltsame Übergriffe, unter anderem gegen Fotografen und Kameramänner, gab.

Aus Sicherheitsgründen waren zuvor bereits drei Begegnungen des zwölften Spieltages der Serie A abgesagt worden. Das Punktspiel zwischen Atalanta Bergamo und AC Mailand wurde im Zuge von Ausschreitungen nach wenigen Minuten abgebrochen, die Begegnungen Inter Mailand gegen Lazio und AS Rom gegen US Cagliari erst gar nicht angepfiffen. Dies hatte die Fußball-Liga in Abstimmung mit dem italienischen Innenministerium, das am Montag ein Reiseverbot für alle Tifosi verhängen will, beschlossen.

"Man begreift nicht, warum die Meisterschaft nicht abgebrochen wird"

Ein Verkehrspolizist hatte den Schuss mit seiner Dienstwaffe abgegeben und Gabriele Sandri in dessen Auto getroffen. Dies berichtete der Rechtsanwalt der Familie des Opfers, Luigi Conti. Der Beamte wurde noch am Sonntag im Justizpalast von Arezzo vernommen. In Arezzo wurde der genaue Ablauf des Unglücksfalles sehr schnell aufgeklärt. Die vom Polizisten abgefeuerte Kugel war offenbar durch die Heckscheibe in Sandris Auto eingedrungen und hatte den Fan getroffen, so Conti. Das Fahrzeug wurde wegen weiterer Ermittlungen beschlagnahmt. "Es war ein tragischer Fehler. Unser Polizist hat eingegriffen, um Gewalttätigkeiten zwischen kleinen Gruppen von Ultras auf der Autobahnraststätte zu verhindern", sagte der Präfekt von Arezzo, Vincenzo Giacobbe.

Die zur Regierungskoalition um Ministerpräsident Romano Prodi gehörenden Grünen und die altkommunistische Rifondazione verlangten derweil einen sofortigen Meisterschaftsstopp. "Man begreift nicht, warum in tragischen Momenten wie diesen die Meisterschaft nicht abgebrochen wird", sagte der Sprecher der Rifondazione, Antonio Ferrero. Der Präsident von Lazio, Claudio Lotito, versuchte die erhitzten Gemüter zu beruhigen. "Sandri ist wegen eines tragischen Fehlers gestorben. Man darf nun aber keinen Feldzug gegen die Polizei beginnen", sagte Lotito. Milan-Präsident Silvio Berlusconi sprach von einem "schrecklichen Tag für den italienischen Fußball".

Anfang Februar dieses Jahres war beim sizilianischen Derby zwischen Catania Calcio und US Palermo der Polizist Filippo Raciti getötet worden. Ein 17 Jahre alter Hooligan wurde damals unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Damals war der gesamte Fußball-Spielbetrieb aufgrund des Vorkommnisses auf dem Apennin ausgesetzt worden.



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